Ein Herz für Raucher

Veröffentlicht auf von ragusaa2000

Hallo Ihr armen, gequälten und missverstandenen Raucher!
Willkommen als neue Randgruppe!

An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Landesregierung ganz herzlich bedanken. Endlich wurde mir die Last der Entscheidung abgenommen, ob und wo ich einen gemütlichen Kaffee oder auch etwas anderes trinken gehen möchte. Auch die Kneiper werden sich sicherlich sehr darüber freuen, dass endlich die lästigen Gäste ausbleiben, die in ihren Bars, Cafés und Kneipen völlig sinnlos die Zeit totgeschlagen und den rechtschaffenen, nichtrauchenden Mitbürgern den ganzen Platz versperrt haben, den diese möglicherweise in den nächsten paar Jahren nach und nach einnehmen werden. Bis dahin können sich die betreffenden Wirte ja auf ihre Hobbys besinnen – Seidenmalerei vielleicht oder ein Töpferkurs? Oder auch Termine mit ihren Banken und Insolvenzverwaltern vereinbaren, um die Vorgehensweise zu besprechen, wie sie in Zukunft – trotz der rückgängigen  Umsätze – weiter existieren sollen. Diese Wirte werden evtl. auch die neu gewonnene Freizeit darauf verwenden, sich gemeinsam mit der Agentur für Arbeit über ihr künftiges Dasein als Arbeitslose zu unterhalten. Ich schlage vor, dass man die Kosten für diese neuen Arbeitslosen aus der Tabaksteuer finanziert, denn ich
kann mir gar nicht vorstellen, dass dieser aufrechte und rührend um seine Bürger besorgte Staat sich an so verwerflichem Tun wie dem Rauchen, bereichern möchte!

Es ist wirklich bewundernswert, wie viel Mühe darauf verwendet wird, den Bürgern das lästige Denken abzunehmen. Weder muss irgendjemand sich dafür oder dagegen entscheiden, ein Raucher- bzw. Nichtraucherlokal zu führen, noch dafür, eins von beiden aufzusuchen. Es ist ganz einfach – die einen sind gut und dürfen rein und die anderen sind böse und müssen zu Hause bleiben. Ich warte gespannt
auf den Tag, an dem Einzelhändlern vorgeschrieben wird, welche Kunden bei ihnen einkaufen dürfen und welche nicht. Man könnte zum Beispiel Gewichtskontrollen im Eingangsbereich von Konditoreien durchführen oder Blut- und Leberwertanalysen beim Betreten von Getränkemärkten. Und wieso ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, den Politikern, die immer nur geistigen Unrat von sich geben, das Sprechen zu verbieten, weil sie die Leute damit belästigen?

Ich bin Raucher und muss damit leben, dass die Kneipen- und Caféhauskultur in meinem Land den Todesstoß erleiden musste. Raucher müssen draußen bleiben und hemmungslose Alkoholiker dürfen rein um sich ihrer Sauferei hinzugeben.

Ich gebe es zu – ich bin ein schlechter Mensch, weil ich die Zigaretten, die ich ganz legal erworben und für die ich ohne zu murren die recht stattliche Tabaksteuer bezahlt habe, doch tatsächlich rauchen möchte und dann – als Gipfel der Verwerflichkeit – auch noch mit Genuss! Soll ich meine gekauften Zigaretten etwa wegschmeißen, damit ich ein wirklich guter Bürger bin, weil ich die Tabakindustrie unterstützt, die Steuern bezahlt und die Umwelt geschützt habe? Ach nein – das geht ja auch nicht – dann verursache ich vermutlich zu viel Müll und werde als Umweltverschmutzer an den Pranger gestellt und - die ohnehin schon utopischen -Müllgebühren müssen meinetwegen schon wieder erhöht werden.

Ok – ich sehe es ein! Die Welt muss vor mir geschützt werden. Aber wer schützt die Welt vor Regierungen, die ihre Bürger nur erträglich finden, wenn man sie katalogisieren und in Schubladen stopfen kann?
Es ist ja egal, ob man jung, Ausländer, Arbeitsloser, Hundehalter, Raucher, Autofahrer oder sonst was ist. Die geistigen Handschellen liegen schon parat. Freut Euch nicht zu früh, nichtrauchende Mitbürger. Auch Ihr werdet irgendwann nicht mehr in eine Schablone passen und dann richtet sich Euer eifrig erhobener Zeigefinger gegen Euch selbst.

 

Veröffentlicht in (All-)tägliches

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post